admin am 22. Januar, 2009
Was man da so täglich hört, mag ja ein gutes Mittel sein, um viele sehr unterschiedliche Menschen auf engem Raum, die gezwungen sind, sich miteinander abzugeben und dabei auch noch etwas Produktives (manchmal) fabrizieren sollen, mehr oder weniger gut miteinander auskommen zu lassen.
Warum? Weil sich die meisten Gespräche auf einer Floskelebene bewegen (Small-Talk wär ja schon zu viel verlangt, da müsste man ja außerberufliche Interessen zugeben.. bzw. haben!), mit denen sich die “lieben Kollegen” weniger als Persönlichkeiten denn als austauschbare Abziehbildchen präsentieren - was durchaus gewollt ist, denn eine eigene Meinung ist nicht erwünscht und jeder persönlich-menschliche Touch könnte ja ein Anhaltspunkt für den Strick sein, den potentielle Feinde daraus drehen.
Diese in ihrer Künstlichkeit unübertroffenen Kommunikationsblasen sagen mit vielen Worten.. NICHTS. Und rufen Würgreiz oder Schlimmeres hervor. Bei mir zumindest. Am besten, das Ganze ist noch gewürzt mit “professionell” anmutenden Anglizismen (so die Meinung der Verwender).
Ein kurzes Beispiel:
Ort: beliebig (Aufzug, vor dem “Meeting”, auf der Treppe…); Wiederholbarkeit mit versch. Personen: auch beliebig, fällt niemandem je auf (!)
Herr A *zackig*: Herr B, ich grüße Sie!
Herr B: Haallooo, Herr A! (Tonfall: energiegeladen, dynamisch!)
A: Und, wie geht’s?
B: Blendend, blendend, wie immer. Und selbst?
A: Auch blendend, wie immer.
B: Great!
A (in jovialem Tonfall): Herr B, für das nächste xy-Board sollten wir die Slides noch etwas runterbrechen! Vielleicht könnten wir noch etwas in den Back-up Teil schieben!
B: Ja, das macht Sinn! Es gibt ja auch noch Additionals - ein generelles Wordingproblem.
A: Naja… [lacht schallend]… Sie wissen ja - er muß sich diesmal committen, das muß in sein Mindset rein, sonst wird das nichts.
B: Ich werden noch einige Folien konsolidieren, sonst haben wir im Meeting wieder den gleichen Fall wie zuletzt: Garbage in - Garbage out!
A: Fakt ist: er hat damit zu tun, die Gaps aufzufüllen… und dann gibts noch eine Landscape in den Countries im Business…
B: Anyway… wir sollten das noch einmal konsolidieren, bevor wir ins Meeting gehen.
A: Ja, lassen Sie mich mal eben sehen, ob ich noch einen Slot frei habe…
[beide fummeln wichtig mit ihren kleinen Stiftchen auf ihren Blackberries herum]…
A: Lassen sie uns doch mal wieder zum Lunch gehen - diese Woche, am Dienstag um 13 Uhr?
B: Ah, schlecht, da bin ich in Dubai. Es geht erst wieder übernächste Woche. Oder am Sonntag zwischen 9 und 13 Uhr.
A: Ok, dann lassen Sie uns da ein kurze Session einschieben.
B: Bis Sonntag dann.
Frauen setzen dann noch gerne Sätze wie: “(Herr) A! Es war total schön!.. das wiederholen wir doch gerne nochmal.” dahinter.
Das wäre dann nach so einem LUNCH wie eben vereinbart.
Nein, es fällt diesen Herrschaften nicht mehr auf, dass das nicht professionell, sondern pervers ist.
Ja, die reden wirklich so (Kontext: frei erfunden, Floskeln: O-Ton).
Nein, das ist keine “Fachsprache”, auch wenn sich das in gewissen Bürobiotopen so eingebürgert hat und durchaus branchenspezifische Ausprägungen hat.
Man kann natürlich auch nicht erwarten, bei jeder (oberflächlichen) Kurzbegegnung tiefenphilosophische und -psychologische Erkenntnisse auszutauschen - wer will (kann) das schon. Ich will auch nicht wissen, ob der Hund vom (entfernten) Kollegen gerade gestorben ist oder ob er bald wieder zum Fußpfleger muß.
Trotzdem: Sind das noch Menschen? Oder Nummern?
Nachdenkliche Grüße,
Luci
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Kleine Aufreger | Comments Off